Was bedeutet globaler Klimaschutz lokal für uns in Groß-Umstadt?

Wer erinnert sich nicht an den Herbst 2019 als auch in Groß-Umstadt eine große Menge an Bäumen aus dem trockenen Wald geholt werden musste? Auch der letzte Sommer war trocken und die Situation wird sich nicht wesentlich verbessert haben. Zum damaligen Zeitpunkt ist eine unseres Erachtens gute Baumpflanzaktion gestartet worden [1]. Lassen Sie uns zur Aufforstung, die eine der drei Säulen des modernen Klimaschutzes ist [2], ein Gedankenexperiment machen. Eine Aufforstung, wie durch das 1 Trillion Tree Project vorgeschlagen [3], sieht eine Pflanzung von 125 Bäume pro Erdenbürger vor. Wenn man für Groß-Umstadt von ca. 20.000 Einwohnern ausgeht, ergäbe das 2,5 Millionen Bäume, die in Groß-Umstadt zusätzlich gepflanzt werden sollten. Rechnet man weiter und setzt 1.000 Bäume pro Hektar Fläche an, kommt man auf eine zusätzlich benötigte Fläche von 2.500 ha. Das entspricht 25 km2. Groß-Umstadt hat eine Gesamtfläche von ca. 87 km2. Es ist daher eher unrealistisch, dass solch ein Aufforstungsvorhaben in Gänze in Groß-Umstadt umgesetzt werden kann. Dieses auf Groß-Umstadt heruntergebrochene Beispiel macht bildlich, welche riesigen Skalen im Spiel sind, wenn man Klimaschutz wirkungsvoll betreiben möchte.

Die BVG möchte sich deshalb für Maßnahmen einsetzen, die bei dem wenigen Geld, was die Stadt hat, möglichst effizient sind.

Neben der Aufforstung kann man ähnliche Rechnungen auch für andere Bereiche des Klimaschutzes in Groß-Umstadt anstellen. So fehlt zum Beispiel erneuerbare Energie in der Größenordnung von ca. 5 der großen Windräder auf dem Binselberg, damit der Energieverbrauch in Groß-Umstadt im Schnitt erneuerbar gedeckt wird [4, 6 pp67]. Muss man nicht eingestehen, dass die derzeit 17% erneuerbare Energien aus dem Gebiet Groß-Umstadt, verglichen mit den 40%, die in Deutschland erreicht werden, nicht besonders viel sind? Zumal seit dem integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept aus dem Jahre 2013 nur 3% dazu gekommen sind [6 pp8]. Um Missverständnisse an dieser Stelle auszuschließen, möchten wir betonen, dass Groß-Umstadt viele der Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept umgesetzt hat. Allerdings muss man auch erwähnen, dass in eben diesem Bericht nur eine einzige der erneuerbaren Energien mit „hoher Klimarelevanz“ eingestuft ist, die Windkraft. Windkraft ist in Groß-Umstadt wegen der Flugsicherung derzeit schwierig umzusetzen, soll unserer Meinung nach aber weiter intensiv verfolgt werden. Klimaschutz geht uns alle persönlich an. Jede:r muss im Rahmen seiner/ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit mitwirken bei dieser unfassbar großen Herausforderung. Die Realität wird sein, dass wir uns alle auf größere Maßnahmen einstellen müssen als wir uns heute vorstellen können und wollen. Sicher wird man auch Ideen verfolgen (müssen), bei denen wir heute noch sagen, dass es unrealistisch ist. Hier ist auch die Kommune im Rahmen ihrer Möglichkeiten gefordert, all ihre Aktivitäten hinsichtlich der Klimarelevanz zu hinterfragen. Es müssen dringend Projekte angestoßen und umgesetzt werden, die einen wesentlichen Ausbau der erneuerbaren Energien in Groß-Umstadt bewirken und damit eine Verbesserung der CO2 Bilanz zur Folge haben. Wir müssen der Erzeugung erneuerbarer Energien unsere größtmögliche Unterstützung zukommen lassen. Zum Beispiel Photovoltaik kann fast auf jedem Eigenheim oder industrieller Immobilie verwirklichen werden. Damit kann man als Bürger:in Teil der Energiewende und damit Teil der Lösung werden!

Die BVG möchte sich dafür einsetzen, dass die Kommune Privatpersonen und Industrie bei der Umsetzung klimarelevanter Projekte weiter unterstützt und motiviert.

In dem Fall, dass eine erneuerbare Energien Erhöhung in Groß-Umstadt nicht passieren kann, sind wir offen für Alternativen. Eine Alternative kann CO2 Kompensation sein. Klimakompensation funktioniert dadurch, dass von uns emittiertes CO2 an anderer Stelle eingespart wird. Es ist für die Physik egal, ob CO2 in Groß-Umstadt oder woanders auf der Erde eingespart wird. Kompensation ist kein Allheilmittel, aber besser als gar nichts zu tun, zumal Kompensationen in Entwicklungs- und Schwellenländern besonders wirksam sind [5]. Aber nochmal zurück zum Ausgangspunkt der Aufforstung: Was ist die maximal mögliche Aufforstung? Was kann Groß-Umstadt hinsichtlich der Rahmenbedingungen tun, um nennenswerte Aufforstungen zu ermöglichen? Man sollte sich mit der Frage beschäftigen, ob es in Groß-Umstadt früher „natürliche CO2 Senken“ gegeben hat, die wieder aktiviert werden könnten. Es gibt viele Ansatzpunkte für effektiven und effizienten Klimaschutz. Wir sollten auf kommunaler Ebene prüfen, was bei uns passt und umgesetzt werden kann. Vom anderen Ende aus gesehen erachtet die BVG es als sinnvoll, zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, den Ressourcenverbrauch in Groß-Umstadt weiter zu reduzieren und die Ökobilanz zu verbessern. Können einfache Dinge wie das Carsharing erweitert oder verbessert werden? Muss die Umsetzung des Radverkehrskonzept nicht höher priorisiert werden? Stellen Sie sich mal vor, es würden so lange keine Straßen repariert, bis das geplante Radverkehrskonzept umgesetzt ist. Was hätte das für einen Aufschrei zur Folge! Klimaschutz bedeutet einen riesigen Kraftakt. Jede:r von uns und die Industrie werden Beiträge leisten müssen. Lassen Sie es uns gemeinsam angehen. Jetzt. Die Zeit drängt.

Ihre Bürgervereinigung Groß-Umstadt e.V.

 

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