Umstädter Wasser: Beitritt zum ZVG – Ja oder Nein ?

 

Zur möglichst objektiven Entscheidungs-findung über die zukünftige Trinkwasser- versorgung hat die BVG eine Reihe von Fragen erarbeitet und gemeinsam mit den Fraktionen von SPD, Bündnis90/Die Grünen und CDU einen Antrag zur vergleichenden Bewertung der vorliegen-den Handlungsoptionen eingebracht. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob wir selbstständig bleiben und die zur Nitratreduzierung notwendige Umkehr-osmoseanlage bauen oder ob wir dem Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG) beitreten. Nach den jetzt vorliegenden Antworten des ZVG und der Verwaltung sowie einem intensiven Gespräch mit dem Wassermeister von Groß-Umstadt können wir zu den wesentlichen Kriterien eines „ZVG Beitritts“ wie folgt Stellung beziehen:

Verbesserung der Wasserqualität: Der ZVG will dem Umstädter Wasser nur so viel eigenes Wasser beimischen, dass die gesetzlichen Grenzwerte (50 mg/l Nitrat) eingehalten werden. Damit wäre die Wasserqualität schlechter als bei der vorgeschlagenen Umkehrosmoselösung (anfänglich zunächst nicht schlechter als 25mg/l Nitrat).

Wasserpreis: Nach den uns bekannten Berechnungen liegt der Wasserpreis des ZVG in etwa auf dem Niveau der Kosten der Wasserbereitstellung inklusive Umkehrosmoseanlage der Umstadtwerke. Dies ist u.a. auch abhängig von der verbrauchten Menge, da es unterschiedliche Grundgebühren und unterschiedliche Preise pro m³ gibt. Letztendlich ist dieser Punkt wegen der geringen Differenzen aber kein maßgebliches Entscheidungskriterium.

Privatisierungsrisiko: Mit dem Beitritt würde Groß-Umstadt seine bisherige Selbständigkeit aufgeben. Wir als BVG setzen uns grundsätzlich für den Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit ein. Dies auch deshalb, weil wir davon überzeugt sind, dass die Gemeinden in unserem Umfeld grundsätzlich die gleichen Ziele verfolgen, wie Groß-Umstadt. Deshalb erscheint das Privatisierungsrisiko aus heutiger Sicht auch als vernachlässigbar. Bei einer so entscheidenden Frage kann man unserer Meinung nach aber nicht auf ein Vetorecht bzw. das Recht zum Austritt verzichten, falls die Verbandsversammlung in vielleicht erst noch ferner Zukunft eine Mehrheitsentscheidung für eine Privatisierung treffen sollte. Ein solches Vetorecht ist in den Verträgen aber nicht vorgesehen und der ZVG kann diese aus unserer Sicht bestehende Notwendigkeit auch nicht nachvollziehen.

Unwägbarkeiten: Die intensive Befassung mit der Frage der richtigen Strategie für die künftige Wasser-versorgung von Groß-Umstadt hat uns auch gezeigt, dass es für die politischen Mandatsträger als Nicht-Fachleute auch auf der deutlich verbesserten Informationsbasis letztlich ausgesprochen schwierig ist, eine Entscheidung zu treffen, die objektiv eindeutig richtig ist. So ist es für den Nichtfachmann wohl kaum richtig einzuschätzen, ob es im Leitungsnetz in Groß-Umstadt einen vergleichsweise höheren oder niedrigeren Investitions-bedarf gibt als im Netz des ZVG. Wir kennen bisher auch nicht die Netzverluste in beiden Netzen und wissen nur, dass vor Jahren in Groß-Umstadt von sehr großen Netzverlusten gesprochen worden ist. Somit bleiben Restunsicherheiten mit denen wir uns als BVG sehr schwer getan haben.

Fazit: Wasserqualität eher schlechter, Wasserpreis in etwa vergleichbar und keine für uns wichtige Ausstiegsklausel im Falle einer aus heutiger Sicht noch so unwahrscheinlichen Privatisierung. Unter Abwägung aller vorliegenden Fakten gibt es damit für uns als BVG im Augenblick zu wenig Argumente, die für einen sofortigen „ZVG Beitritt“ sprechen. Deshalb stimmen wir dafür, erst einmal selbstständig weiterzuarbeiten und mit der Umkehrosmoseanlage unser Wasser zu verbessern. Gleichzeitig müssen aber auch die Grundwasserdeckschichten saniert werden, um die Nitratwerte zu reduzieren.

In den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass der ZVG den Beitritt von Groß-Umstadt als extrem attraktiv ansieht. Deshalb kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass dies auch in 3 oder 5 Jahren noch der Fall sein wird. Jetzt erst mal selbstständig bleiben, muss also nicht heißen, dass das immer so sein muss.

Es war für die Mandatsträger dennoch unverzichtbar und erkenntnisreich, auch die Alternative „ZVG Beitritt“ intensiv zu betrachten. Ansonsten wären wir als Mandatsträger unserer politischen Verantwortung nicht gerecht geworden. Hier hätten wir uns aber gewünscht, dass die Verwaltung unaufgefordert eine deutlich umfassendere Entscheidungs-basis zur Verfügung gestellt hätte und dies nicht erst nach Aufforderung erledigt hätte. So ist für uns der Eindruck entstanden, dass die Verwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze die politischen Mandatsträger einfach in die von ihr präferierte Richtung schieben wollte. Es ist sicher nachvollziehbar, dass das für uns als BVG alles andere als vertrauensfördernd gewesen ist.

 

Ihre

Bürgervereinigung Groß-Umstadt e.V.